Stift Sankt Lambrecht: Geschichte und Besichtigung des Benediktinerstifts

Eine kurze Geschichte: 1076 bis heute

Die Gründung des Stifts fällt in eine Zeit, in der die Eppensteiner einer der mächtigsten Adelsfamilien im südösterreichischen Raum waren. Markward von Eppenstein stiftete das Kloster 1076; Heinrich III., sein Sohn, brachte den Bau bis 1122 zum Abschluss. In den folgenden Jahrhunderten wuchs das Stift zu einem geistlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum für das Murauer Land.1786 setzte Kaiser Joseph II. dem ein vorläufiges Ende: Im Zuge seiner Klosterreform – die zwischen 1782 und 1790 hunderte „nutzlose“ Klöster im habsburgischen Reich auflöste – wurde das Stift Sankt Lambrecht durch kaiserliches Dekret vom 4. Januar 1786 aufgehoben. Die Mönche zogen weg, das Vermögen wurde eingezogen, ein Teil der Bibliothek wanderte nach Graz. 1802 setzte Kaiser Franz II. die Aufhebung wieder zurück. Seither leben Benediktinermönche ununterbrochen wieder im Stift. 2026 begeht die Gemeinschaft das 950-jährige Gründungsjubiläum mit einem ganzjährigen Programm aus Konzerten, Sonderausstellungen und liturgischen Veranstaltungen.

Heute ist das Stift kein Museum, sondern eine lebendige Klostergemeinschaft mit eigener Land- und Forstwirtschaft, einem Schulinternat in der Nachbarschaft und einer aktiven Pfarrseelsorge in den umliegenden Gemeinden. Wer das Stift besucht, sieht also keinen historischen Schauplatz, sondern einen Ort, an dem heute noch Menschen nach der Regel des heiligen Benedikt leben – „Ora et labora“, bete und arbeite. Das macht den Besuch ruhiger und respektvoller, als man es vielleicht von einem Touristenort gewohnt ist.

Was Sie sehen können

Stiftskirche. Die Stiftskirche ist täglich für Besucher geöffnet, sofern keine Liturgie stattfindet. Die spätbarocke Innenausstattung – Hochaltar, Kanzel, Seitenkapellen – stammt grossteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Werktäglich gibt es um 18.00 Uhr eine Vesper mit Konventmesse, an der auch Besucher teilnehmen können.

Stiftsmuseum. Das Museum zeigt drei Sammlungen: eine kunsthistorische, eine volkskundliche und – in Sankt Lambrecht überraschend – eine ornithologische Sammlung mit präparierten Vögeln aus dem 19. Jahrhundert. Öffnungszeiten und Eintrittspreise ändern sich saisonal; aktuelle Daten finden Sie auf stift-stlambrecht.at. Wir aktualisieren diesen Beitrag jährlich, doch buchen Sie Ihren Besuch lieber direkt mit dem Stiftsbüro ab.

Stiftsgarten und Klosterladen. Der historische Klostergarten ist im Sommerhalbjahr offen, ein kleiner Klosterladen verkauft Produkte aus eigener Erzeugung – Honig, Liköre, Kräuter und Bücher. Schöne Stelle für eine kurze Pause.

Barocke Krippe und Fastentücher. Zwei der Kostbarkeiten des Stifts – die barocke Weihnachtskrippe und die historischen Fastentücher – sind nur zu bestimmten Zeiten im Kirchenjahr ausgestellt. Wer im Advent oder zur Fastenzeit kommt, sollte sich direkt beim Stift erkundigen, was gerade zu sehen ist.

Stiftsbibliothek. Die historische Bibliothek mit rund 30.000 Bänden ist nicht im regulären Besichtigungsbetrieb zugänglich. Einzelne Räume werden gelegentlich im Rahmen von Sonderführungen oder zum Tag des Denkmals geöffnet – fragen Sie im Stiftsbüro oder auf der Stifts-Website nach aktuellen Terminen.

Praktische Hinweise zum Besuch

Adresse: Hauptstrasse 1, 8813 Sankt Lambrecht – mitten im Ortskern. Vom Frühstückstisch unserer Pension sind es 900 Meter zu Fuss, das sind etwa zehn Minuten gemütlicher Spaziergang. Mit dem Auto nicht nötig.

Telefon: +43 3585 2305-0 · E-Mail: info@stift-stlambrecht.at

Führungen. Es gibt Stifts- und Themenführungen, die Saisonalität, Verfügbarkeit und Preise finden Sie aktuell auf der Stifts-Website. Eine Reservierung im Voraus ist sinnvoll, vor allem in der Hauptsaison (Juli–August) und im 950-Jahr-Programm 2026.

Eintritt. Die Stiftskirche ist frei zugänglich, das Stiftsmuseum hat Eintritt; aktuelle Preise direkt beim Stift erfragen.

Bekleidung. Schultern und Knie sind in der Stiftskirche bedeckt zu halten. Im Sommer reicht ein leichter Schal aus.

Mit Kindern. Stiftskirche und Klostergarten sind kindertauglich, das Museum etwas weniger (viele Vitrinen, wenig Hands-on). Plane gegebenenfalls eine Pause am Stiftsteich an die Besichtigung dran – das ist auch unsere Standardempfehlung für Gäste mit Kindern.

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